Painting Nairobi

25. Dezember 2012

Graffiti for change: On the fire station this is the first image of the night, Mzee Jomo Kenyatta

Für die deutsche Version ein bisschen runter scrollen bitte:

The night before Christmas Eve B. and his friend decided to go painting, as a friend in Hamburg likes to call it. They had stanciles and wanted to paint their message to five walls in central Nairobi: Kenyans next step in its political evolution depends on the upcoming elections. Kenyans should try a revolution at the ballot by voting for a president who can walk upright – other then all previous once, the corrupt or even dicatorial Kenyatta, Moi and Kibaki.

Walk upright: Kenyas evolution, from beast to president (Kenyatta with flywhisker, Moi with scepter, Kibaki with gulf club) - the flagbearer is still to be chosen

Walk upright: Kenyas evolution, from beast to president (Kenyatta with flywhisker, Moi with scepter, Kibaki with gulf club) – the flagbearer is still to be chosen

The Crew was made up of some of the guys who also painted the now famous wall on City Market, this one here: Back then the authorities had no clue, what was happening, as B. and the guys were standing on the street in the middle of the night with laptops projectors and some spraycans. In the early morning hours of December 24 Kenyan authorities showed their ugly face: Two cops arrested B. and a local journalist, working for Italian RAI station, locked them up for some hours and are going to take them to court on January 8. The allegation: preparation of a fellony and incitement – against a journalist and a photographer, who painted a Graffiti on a wall, that is encouraging their fellow citizens to vote and to do it wisely. Merry Christmas.

Kenias politische Evolution

In der Nacht auf den Heiligabend war ich mit B. und seinen Freunden malen, wie ein guter Freund in Hamburg das nennt. Sie hatten Schablonen, also Stencils, dabei und wollten an fünf Wänden in Nairobi ihre Botschaft loswerden: Kenias nächster evolutionärer Schritt hängt von den kommenden Wahlen ab. Die Kenianer sollen für eine „Revolution an der Urne“ sorgen – und einen Präsidenten wählen, der den aufrechten Gang praktiziert, anders als die korrupten, teils diktatorisch regierenden Vorgänger Kenyatta, Moi und Kibaki.

Die Crew bestand aus den gleichen Jungs, die auch die Wand am City Market mit ihren Bildern gegen die Geier in Kenias Politik geschmückt haben. Damals hatte die Ordnungskräfte keine Schimmer, was sie da eigentlich machten, mit Laptops und Projektoren. In den Morgenstunden des 24.12. allerdings zeigte sich Kenia von seiner hässlichen Seite: Zwei Polizisten verhafteten B. und einen italienischen Journalistenkollegen der RAI, sperrten sie die Nacht über weg und am 8.1. müssen sie sich wegen der Vorbereitung einer Straftat und wegen Aufwiegelung vor Gericht verantworten – ein Journalist und ein Fotograf, die ein Graffiti an eine Wand gesprüht haben, die ihre Mitbürger mittels öffentlicher Kunst zur Besonnenheit aufrufen. Fröhliche Weihnachten.

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Krieg

26. November 2012

Es ist schon ein Elend mit dem Journalismus und dem afrikanischen Kontinent. Da kann man sich noch so sehr vornehmen, über die schönen Sachen zu schreiben, zuallererst ensteht dann doch die alte, traurige, schlimme Geschichte über den hoffnungslosen und völlig zerrütteten Ostkongo.

Andererseits: Die Leute müssen das wissen, denn nur so lässt sich vielleicht was ändern, irgendwann. Es muss geschrieben werden, dass Ruandas Präsident Paul Kagame nicht nur der saubere, tolle Präsident ist, als der er sich so hervorragend verkauft, und als den ihn seine westlichen Verbündeten so gerne sehen wollen. Sein Land ist pickobello, jeder Ausländer, den das afrikansiche Chaos auf den Straßen, in der Verwaltung und so weiter stresst, wird in Ruandas Hauptstadt Kigali befreit aufatmen. Kagames Land ist sauber, pünktlich und effizient. Aber? Aber!

Kagames Militär unterstützt den Krieg im Osten des Nachbarlandes DR Kongo nach Kräften, was ein UN-Report belegt. Darin zu sehen: Fotos von Munition, Uniformen und Gewehren, die nicht von der kongolesischen Armee stammen, sondern nachweislich und belegt durch zahlreiche Zeugenaussagen, von der ruandischen Armee. Die M23-Rebellen sind aber aus der kongolesischen Armee hervorgegangen und behaupten, sie hätten nur die erbeuteten Waffen zur Verfügung, die die kongolesische Armee in den Kasernen liegen gelassen hat.

Der UN-Bericht ist fast 50 Seiten lang und sehr detailiert und beweist das Gegenteil. Der Krieg im Kongo, das Elend, die Vertreibungen – das ist auch Kagames Werk, ohne die Hilfe aus dem sauberen Ruanda wäre Goma nicht gefallen.

Darum hier mal, leider nicht von der Grenze selbst oder aus Goma, sondern aus der ruandischen Hauptstadt Kigali geschrieben und von dort aus recherchiert, meine Geschichte über die M23-Rebellen, die sich selbst (und die auch einige Journalisten offenbar) als Befreier des Ostkongo sehen. Wie mir Kollegen aus Goma berichten, ist es dort jetzt ruhig und friedlich, seit die Rebellen die Stadt kontrollieren. Aber klar ist auch: M23 ist auf PR-Tour, gegenüber den Krisenreportern in der Stadt geben sie sich als Saubermänner, Menschen- und Ordnungsfreunde. Aber Zweifel sind wohl angebracht:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/kongo-krise-vormarsch-von-makengas-moerdertruppe-a-869079.html

Absurd außerdem: Ab 1. Januar sitzt Ruanda mit am Tisch im UN-Sicherheitsrat, gewählt haben das Land mehr als zwei Drittel der Uno-Generalversammlung, also aller Mitgliedstaaten. Zur Erklärung: Der Sicherheitsrat (15 Mitglieder) entscheidet über Sanktionen, die Entsendung von Blauhelmtruppen und ordnet Untersuchungen an. Er ist das mächtigste Organ der Staatengemeinschaft, hat man einen Sitz (so wie Deutschland zur Zeit) behält man den für zwei Jahre – es sei denn man ist die USA, Russland, Frankreich, China oder GB. Die sind immer drin, sogenannten permanent member states. Ruanda hat dann natürlich kein Veto und wenn alle sich einig sind, kann ein einzelner nicht-permanent-member-Staat wenig ausrichten. Trotzdem deprimierend? Yes, indeed. Darum jetzt, endlich, zu was schönerem.

Kenia sucht den Super-Chor

19. November 2012

KBC Ultimate Choir Show, Nakuru, 16.11.2012: Schaumkrone der Woge der Begeisterung

Seit Samstagabend wohne ich in Narobis Westen, genauer im Stadtteil Kilimani, in der Ole Odume Road in einem recht gewöhnlichen Appartmentkomplex mit dem stolzen Namen Elite Park. Gleich gegenüber der Bangladesh High Commission (so heißen hier alle Botschaften der Commonwealthländer).

Der Pool ist hier weniger schick als in der deutschen Schule, aber die Miete ist günstiger und ich genieße die Freiheit, eine Küche benutzen zu dürfen. Sollte ich auch noch einen Schreibtisch dazubekommen, ist mein Glück perfekt. Naja, fast.

Am Freitag hat Kate mich überredet, mit ihr nach Nakuru zu fahren, das liegt im Rift Valley etwa 200 Kilometer nordwestlich von Nairobi. Dort wurde gegeben: Kenia sucht den Superchor. „Ultimate Choir“ heißt der Wettbewerb, mit dem der altbackene Staatssender KBC die Tradition der Gopselchöre feiert und wiederbeleben will. Die zweite Staffel suchte den besten Chor in der Region Nakuru.

Das kleine Theater von Nakuru war der Schauplatz, es sah eine bisschen aus wie eine deutsche Dorfbühne, Gartenstühle aus Plastik waren die Sitzreihen und die Bühne war mit bunten Lichterketten verziert. Es sangen drei Chöre, die die Vorrunden überstanden hatten.

Wie die meisten Veranstaltung mit festem Ablaufplan hier, ging der Contest ungefähr eine Stunden nach der geplanten Anfangszeit los. Hinzu kam ein einstündiger Stromausfall, der mal wieder eine Gelegenheit bot, auf Kenya Power schimpfen zu können. Als die Frauen und Männer vom Chor Shepherds Voice gerade Bwana (Herr, also Gott) und seinen Sohn mit dem Lied Utam wa Yesu der tansanischen Sängerin Rose Muhando priesen (hier nachzuhören, Aufnahme des zweiten Anlaufs), gingen plötzlich alle Lichter aus.

HIER das Video zum Originalsong von Rose Muhando – sehr holy, aber schmissig. Und fragt nicht, warum man da am Anfang Explosionen sieht…

Die Türen waren zu, Fenster gab’s keine also war es plötzlich stockfinster. Ein groß Uwaaaahh! und dann strömten alle nach draußen auf die Wiese. In der deutschen Schule, in deren Internat ich ja die ersten vier Wochen gewohnt habe, springt immer binnen Sekunden ein Dieselagregat im Garten an. Am Freitag in Nakuru aber, als gerade der große staatliche Sender KBC das grand finale seiner Sonntagabendshow aufzeichnete, hatte keiner an einen Generator gedacht. Master of Ceremony war Nick, ein Freund meiner Kollegin Kate. Er telefonierte mit eine Vertreter von Kenya Power und erzählte danach, statt einer Entschuldigung oder ein Info, wie lange der Blackout dauert bekam er nur folgenden Tipp: Zeichnet eure Show am besten morgen auf.

Wie gesagt, es ging dann weiter, alles in allem dauerte der Ausflug drei Stunden länger als geplant. Der Gewinnerchor (kleines Soundbeispiel hier: „Conquerers are we“) nahm eine Millionen Shilling mit nach Hause, ca. 9000 Euro, und weil im Chor singen ein gar christlich Ding ist, wird damit zu allererst die Kirche verschönert. Der „Bischof“ der Gemeinde St Niklas, aus der die Gewinner stammen, war auch dabei und freute sich mit seinen Brüdern und Schwestern, als hätte er irgendwas zum Sieg beigetragen. Und das Event hat mich in Fernsehen gebracht, Nick sagt, Kate und ich hätten die Kameraleute bestochen, damit sie uns möglichst oft zeigen. Ich vermute eher, es lag daran, dass ich der Exot im Publikum war. Seht selbst.

Die Jury grübelt, der Exot im Publikum schaut kritisch – neben mir übrigens Kollegin Kate, die gute

Der Dirigent des siegreichen Chor hatte auf der Bühne noch großspurig getönt, er werde mit seinem Team den Pott holen. Als ihm Bwana gnädig war und es tatsächlich zum Titel „Bester Chor von Nakuru und Umgebung“ langte, war der gute Mann (Foto) fix und fertig und brach neben dem 1.000.000 Shilling-Scheck beinahe zusammen.

Bwana ist groß: Er glaubt ganz bestimmt, dass Veränderung mit Singen im Chor beginnt

Der Sonntag begann mit Stromausfall und mein neues Zuhause hat keinen Generator. Also setzte ich das Teewasser in einem Topf auf dem Gasherd auf. Aber ich habe eine Küche, die nicht um 18.3o Uhr abgesperrt wird, wie das im Boarding House der deutschen Schule immer der Fall ist. Und wenn es hier im Elite Park Strom gibt, ist das Internet hier deutlich stabiler als in der deutschen Schule. Und meine beiden Mitbewohnerinnen Sharon (Kenianerin) und Eyrun (in Island geborene Schwedin) scheinen nett zu sein.

Ach ja, und ich fahre jetzt Motorrad (Naja, eher ein Moped, Yamaha, 100 ccm). Ezekiel hat es mir geliehen, vermittelt hat das ganze ein Freund von Ezekiel, der in einem Yamaha-Laden arbeitet. Klingt komplizierter als es war. Ich zahle Ezekiel 800 Shilling Miete am Tag (7,20 Euro) und als ich ihm heute die zweite Rate für die nächsten fünf Tage vorbei brachte, war er fast peinlich berührt. Jetzt, da wir Freunde sind, soll ich doch auch reinkommen, sagte er und stellt mir Frau und Töchter vor. Und ich soll wiederkommen und gern länger bleiben, zum Beispiel an Weihnachten.

Motorradfahren ist gefährlich, sagen manche hier. Leider hat der heutige Bombenanschlag auf einen Bus in Eastleigh aber gezeigt: Auch Matatufahren kann gefährlich sein. Vermutlich ein Attentäter von Al Shabab schleuderte am Sonntagnachmittag eine Bombe in einen Bus der Linie 26. Fünf Tote sind bislang bestätigt, mindestens zwei Dutzend Menschen sind verletzt. Ein junger Mann, angeblich Somali, soll kurz vor der Explosion aus dem Bus gesprungen sein. Der Mob hätte ihn danach fast gelyncht, denn wer soll schon der Täter sein, als der somalische Junge? Das Video hier, auf der Seite der „Daily Nation“, zeigt sein Foto. In Eastleigh leben viele Somalis. Unmittelbar nach dem Anschlag kam es zu Schlägereien auf der Straße. Ich habe davon freilich gar nichts mitbekommen, wir waren schön beim Brasilianer essen und ich hab es vorhin im Fernsehen gesene. Einige Geschäfte wurden wohl geplündert. Jetzt bleibt zu hoffen, dass die Nacht ruhig verläuft und weder die Polizei noch aufgebrachte Bewohner von Eastleigh weiteres Unheil anrichten.

Trotz dieser schlimmen Nachricht zum Schluss: Macht euch bitte keine Sorgen. Mir geht’s prima hier, ich passe gut auf mich auf.

Die meisten Kenianer ersparen mir die peinliche Frage „Und von welchem Stamm bist du so?“ Ungefragt erklären sie gerne woher ihre Vorfahren kommen und woher die ihrer Kollegen und Freunde sind. Die Ethnie erkennt man an vielerlei Dingen: An der Hautfarbe („Die Luo sind die mit der dunkelsten Haut.“ – das gilt allerdings für alle Niloten, also auch für Massai, Acholi und eine Menge mehr), an der Zahnlücke zwischen den unteren Schneidezähnen (Massai, die Lücke entsteht durch einen kosmetischen Eingriff), an ihrer Betriebsamkeit („Die meisten Kikuyu sind geschäftige Leute, ihnen gehören die meisten Firmen, auch die meisten Taxifahrer sind Kikuyu.“), an ihren legendären Körpermaßen („Er ist ein Massai. Das erkennst du daran, dass er so groß ist.“), an der inneren Einstellung („Wir Massai sind Krieger und mein Masai-Name bedeutet: Der, der stets seinen einmal eingeschlagenen Weg geht, immer geradeaus.“). Und natürlich am Nachnamen. Kate Ndonye (Stamm der Kamba) ist eine der Journalisten, die ich vorab kontaktiert hatte, um mir hier eine Art Praktikum zu besorgen. Kate gerät beim Mittagessen in der Kantine des Senders (ab Montag bin ich wohl Prakti bei KBC, dem staatliche Rundfunk hier) ins Schwärmen: „Wir haben 42 Sprachen und so viele Kulturen in unserem Land.“ Sie ist ehrlich begeistert von der Vielfalt. Doch dann sagt Kate noch: „Das Stammesdenken ist auch unser Fluch.“

Was sie meint ist, dass nach einem brachial geführten Wahlkampf Ende 2007 zwischen der Opposition und dem damaligen und heutigen Amtsinhaber Mwai Kibaki „die Hölle losbrach“, wie Kate sagt und wie zur Genüge nachzulesen ist. Paramilitärische Einheiten der Polizei, Habenichtse aus den Slums, gedungen als machetenschwingende Söldner für ein paar Nächte, und zahlungskräftige Aufwiegler, (darunter sollen auch Leute sein, die heute noch im Parlament sitzen), steckten Kenia zum Jahreswechsel 2007/2008 in Brand. Als sich Oppositionsführer Raila Odinga und Mwai Kibaki schließlich unter Vermittlung Kofi Anans auf ein Unentschieden einigten (Odinga soll haushoch gewonnen haben), und sich die zwei die Macht als Präsident und Premier brüderlich und stammesübergreifend teilten, war wieder Ruhe. Allerdings hatten bis dahin mindestens 1200 Kenianer ihr Leben gelassen, viele lagen schrecklich enstellt in den Straßengräben. Die meisten Opfer soll aber eine Spezialeinheit der Polizei, die General Service Unit (GSU), auf dem Gewissen gehabt haben. Vor allem Slumbewohner wurden hinterrücks niedergeschossen, ihre Verletzungen zeigten, dass das oft aus nächste Nähe geschah.

Von diesem Trauma hat sich Kenia noch nicht erholt. Einige sahen das Land damals auf dem Weg in einen von Stammeszugehörigkeiten bestimmten Bürgerkrieg, ein Gemetzel wie in Ruanda 1994 wurde befürchtet. Im März 2013 soll (wenn die Wählerregistrierung den rechtzeitig klappt und alle Parteien sich geeinigt haben, wer auf welchem Ticket um das höchste Staatsamt kämpft) wieder gewählt werden. Wegen der traumatischen Wahl und der exzessiven Gewalt vor fünf Jahren sind viele in  Kenia derzeit sehr besorgt und achten sehr genau auf jedes Wort im Wahlkampf.

Nur ein Beispiel aus der Zeitung „The Star“ vom Mittwoch: Die Abgeordnete (und Bischöfin einer Freikirche) Margaret Wanjiru will das Gouverneursamt in Nairobi Stadt gewinnen, und sagt bei einer Veranstaltung: „Ich will Gouverneurin werden. Aber es gibt das Mitbewerber, die kommen von weit her, aus Nyanza, und wollen das auch. Dazu sage ich nein.“ Nyanza liegt ganz im Westen, am Viktoriasee und dort leben fast ausschließlich Niloten, die meisten von ihnen vom Stamm der Luo. Was nach einer Kleinigkeit klingt, ist nach kenianischen Gesetz „Hatespeech“, auf Deutsch Volksverhetzung. Wenn nun ein Bayer in Deutschland über „Preißn“ lästert, ein Hamburger über „Bazis“ aus Süddeutschland, ist das nicht mehr als ein lahmer Witz. Die Kenianer erinnern solche Reden aber an die Zeit im Herbst 2007. Damals sortierten sich die Kandidaten für das Präsidentschaftsrennen schon vor der Wahl entlang ihrer Stammeslinien, die lokalen Radiosender hetzten in den Stammessprachen gegen die jeweils anderen Stämme und die Politiker sollen Milizen und Banden arbeits- und hoffnungsloser Jugendlicher aus den vielen Slums bezahlt haben, die jeweils anderen zu bekämpfen. Das klingt für mich alles schwer vorstellbar, aber viele Leute haben mir das so erzählt.

Es kann also sein, dass es nur eine kleine politische Dummheit von Bischöfin Wanjiru war – wahrscheinlicher aber ist, dass sie ihren Wählern in Nairobi eigentlich sagen wollte: Diese Luo da aus dem Westen stellen hier nicht den Gouverneur. Jetzt bekommt Frau Wanjiru Ärger: Der Leiter der Staatsanwaltschaft, Keriako Tobiko, zeigte die Abgeordnete wegen „Hatespeech“ an und leitete eine CD mit einer Videoaufzeichnung der Rede Wanjirus an die Kommission für Integration und Kohäsion weiter, schreibt „The Star“. Die Kommission wacht genau über alle Äußerungen, die geeignet sind, Ethnien gegeneinander aufzuwiegeln oder Hass zu säen.

Weil es für mich so sonderbar klingt, hier noch eine Schlagzeile, die darauf hindeutet, dass Kenia (oder zumindest ihre Berichterstatter) zunehmend besorgt sind, knappe fünf Monate vor der Wahl. Über einem Text in der Tageszeitung „Daily Nation“  vom Donnerstag heißt es: „Beleidigende politische SMS werden blockiert“. Wer künftig eine Nachricht mit dem Handy senden will, die den Richtlinien der Communicaiton Commmission of Kenya (CCK) zuwiderläuft, kann lange simsen – die Nachricht kommt angeblich nicht durch. Bereits im Sommer wurde beschlossen, dass Massen-SMS der poltische Parteien vorher von einer Kontrollkommission abgesegnet werden müssen, damit sie frei von volksverhetzenden Inhalten sind. Der Hintergrund: Neben dem Radio waren SMS das Hauptwerkzeug, um während der ethnischen Ausschreitungen von 2007/2008 die Menschen aufeinander zu hetzen. Kenia hat 35 Millionen Einwohner, auf die verteilen sich 20 Millionen Handys.

Appelle gegen das Stammesdenken (Triablism) sind überall zu hören und zu lesen: One People, one Nation, one Destiny. No triablism. Und so weiter. Die einen sagen, die Kenianer haben ihre Lektion nach den schlimmen Erfahrungen von 2007/2008 gelernt. Die andere fürchten, dass es diesmal wieder genauso schlimm kommen könnte. Und alle hoffen, das „die einen“ Recht behalten.

Matatu: Je nach Tag, Uhrzeit und Laune des Schaffners kostet die Fahrt zum „Village Market“ 18 bis 54 Cent

Heute habe ich versucht, ein kleines  Radio zu kaufen. Bei Royal King, einem verschachtelten Elektrokaufhaus, gab es das Neuste vom Neusten: Ein kleines, rotes Kästchen mit mp3-Player, Radio und Wecker, mit USB-Anschluss und Cardreader für MiniSD. Leider aber: betrieben mit einem Nokia-Akku und außerdem war das windige Plastikding nicht nur in China hergestellt, sondern auch nur für Chinesischkönner beschriftet. Handys verkaufen dort alle Läden, Laptops und Headsets auch, alles, was in den vergangen fünf Jahren neu war, gibt es dort. Aber ein simples Batterien-betriebenes Radio war nicht einmal im Royal King aufzutreiben, obwohl mich drei Händler auf der Luthuli Ave unabhängig voneinander dort hingeschickt haben.

Die Luthuli Ave befindet sich im östlichen Teil der Innenstadt zehn Gehminuten vom großen Kreisverkehr „Old Nation“ (Limuru Rd./Slip Rd/River Rd.) Den erreicht man von der Deutschen Schule aus mit dem Matatu (siehe Foto), einem Kleinbus für 13 Fahrgäste, eine Matatu-Schaffner und einem Fahrer. Einfach downtown, wohin man genau will, ist egal. Alle fahren zu einem zentralen Plätzen im Zentrum. Der „Old Nation“ Kreisverkehr ist so chaotisch wie der Taxpark von Kampala und funktioniert auch so. Dutzende ineinander verkeilt scheinende Minibusse, die losfahren, wenn sie voll sind und die auf der Tür eine kleine Nummer haben. Nummer 106 sollte ich nehmen, hatten mir die freundlichen Jungs neben den 106er-Bussen an der Ausfahrt (Westseite des Platzes) gesagt – und von dort bin ich dann nachmittags auch wieder zurück gefahren, 15 Minuten bis Village Market. Das ist ein Einkaufszentrum gleich bei der Schule und auch der Name der Haltestelle, eine nach UN Avenue übrigens. Den Namen hat der Stop vom UN-Viertel, in dem sich neben der US-Botschaft (ummauert und beleuchtet wie Stadelheim und Santa Fu), die Botschaften Norwegens, Polens und Österreichs, außerdem UNICEF, UNEP und ein Wasserwerk befinden.

Auch wenn ich kein Radio kaufen konnte, ich habe meine erste kleine afrikanische Straßenschlacht erlebt. Die „Hokas“ (ich dachte erst, es geht um Prostitution) wurden von der Polizei verjagt. Hokas sind Straßenhändler, die von ihren ausgebreiteten Decken aus allerhand verkaufen und das nicht dürfen, erklärte mir ein Mann neben mir. Die Polizei feuerte Tränengas die Kilome Rd runter, die Attackierten warfen jede Menge Steine. Wer angefangen hat, wie es ausging, war nicht auszumachen, ich tippe aber auf die Polizei. Ich machte es den Fahrgästen und den Matatu-Fahrern nach und zog mich mit ihnen ein Stück zwischen die Kleinbusse auf dem Kreisverkehr zurück – und musste dann ohnehin in die andere Richtung. Liest sich so hingeschrieben jetzt wilder, als es war. Bin ja gestählt vom einen oder anderen Schanzenfest.

Afrika!

16. Oktober 2012

Die Erde rot, Giraffen hinterm Flughafenzaun und dieser unbeschreibliche Duft – ich bin in Nairobi gelandet und Taxifahrer Frederic hat mich gleich mit Namesschild empfangen. Für mehr als Wasser kaufen war am Abend keine Zeit mehr, daher ist das einzige Bild bislang auch das obige Selbstbildnis aus dem Fernsehzimmer des Boarding House der deutschen Schule. Das Foto soll nur sagen: Ich bin hier, es geht gut und ich bin so müde wie ich aussehe und gehe bald ins Bett. Das Boarding House ist übrigens gar kein wirkliches Internat, sondern eher ein Hostel für Freiwillige und Praktikanten (UNEP, UN Habitat, UNHCR, UN Hastenichgesehn) aus D, NL, UK, AT, etc. die mit ihrer recht happigen Miete für die Mehrbettzimmer die Schule mitfinanzieren. Aber das ist ja auch eine Art freiwlliger Hilfsdienst, wenn auch für die deutsche Community in Kenias Hauptstadt. Morgen folgendes: Saft trinken, Stadtplan kaufen und bei den potentiellen Arbeitgebern vorbeischauen. Und jetzt erstmal: ab ins Stockbett.

Freunde in der Nacht

20. Januar 2012

Langlang nichts geschrieben, also keine Texte, in denen es um das geht, was ich tu und lasse. Dabei ist tun und lassen lebensnotwendig. 2012 soll auf keine Fall mehr das Jahr der Hater sein! Liebe das Leben, habe ich von meiner Beraterin gelernt. Grant und ein vermeintlich von oben auf die Dinge gerichteter Blick und das ständige bewerten aller Dinge, da wird man ja ganz meschugge.

Anstatt Bilder auf facebook zu stellen werde ich nun all mein Fotografiertes hier unter der neuen Unterrubrik Freeze! veröffentlichen. Und bitte: Zweimal richtig gute Freunde, einmal im Süden, einmal im Norden.

Gut, was?

Ach, und weil ich so schön dabei war, hier noch ein paar Bilder, diesmal aus dem Ostseeurlaub im etwas piefigen, aber sehr feinen Wellness-Hotel Meerlust in Zingst, Dezember 2010 war das schon. Dauert ganz schön, bis so ein paar Bilder gescannt sind. Mehr Zeit für things to make and do (hier mal erklärt von den Good Shoes ist angesagt, wie gesagt.

Nun aber: Zingst.

time flies

20. März 2010

Es gibt eine neue Seite im Netz, Google kennt sie noch nicht, also ganz heißer Scheiß.

www.lena-schokolade.de

Besucht sie zahlreich, denn dort gibt’s genau das richtige für den anstehenden Sommer. Anziehende Fakten, Haltung zum Überstreifen, Unbegreifliches, leicht und luftig präsentiert. Aber was schreib ich so viel, seht’s euch am besten selbst an.

Natürlich ist nicht alles so schlimm, wie die Schlagersause es aussehen lässt. Schließlich gibt es das Dockville und Kino draußen. Das eine für 36 Euro für ein Wochenende, Dockville vom 15.-17. August, wohl mitten im Hafen und mit den nicht zu verachtenden Tomte, Superpunk, der Frank Spilker Gruppe, was man eben so aus Hamburg kennt. Interessant klingen Johnossi, simpler Shit, sagen die beiden selbst. Die zwei lassen sich von ihren Gefühlen leiten, schreiben sie. Und sie vertrauen ihren Eingeweiden. Naja. Da der Gesang englisch daherkommt, heißt es auch auf der Website „we follow our guts“. Mal sehen, was die beiden mit ihren Eingeweiden so live anstellen. Und dann noch das hier: ein Morddrohung aus Frankreich. Böse Zunge sagen, es reiche allein der süße Akzent um Männer niederzuwerfen. Kann was dran sein. Mal sehen. Auch mal sehen: the Ting Tings. Irgendwie arty und eighties, das zieht ja gerade. Dazu passend: neue Schuhe.

Was noch? Kino! Dienstag, 22.7. I am legend, Mittwoch, 23.7. Darjeeling Limited (endlich!), 24.7. Persepolis (schon wieder endlich), und all das draußen im Schanzenpark. Auch hier kein Kommentar zum aktuellen W****r.