Painting Nairobi

25. Dezember 2012

Graffiti for change: On the fire station this is the first image of the night, Mzee Jomo Kenyatta

Für die deutsche Version ein bisschen runter scrollen bitte:

The night before Christmas Eve B. and his friend decided to go painting, as a friend in Hamburg likes to call it. They had stanciles and wanted to paint their message to five walls in central Nairobi: Kenyans next step in its political evolution depends on the upcoming elections. Kenyans should try a revolution at the ballot by voting for a president who can walk upright – other then all previous once, the corrupt or even dicatorial Kenyatta, Moi and Kibaki.

Walk upright: Kenyas evolution, from beast to president (Kenyatta with flywhisker, Moi with scepter, Kibaki with gulf club) - the flagbearer is still to be chosen

Walk upright: Kenyas evolution, from beast to president (Kenyatta with flywhisker, Moi with scepter, Kibaki with gulf club) – the flagbearer is still to be chosen

The Crew was made up of some of the guys who also painted the now famous wall on City Market, this one here: Back then the authorities had no clue, what was happening, as B. and the guys were standing on the street in the middle of the night with laptops projectors and some spraycans. In the early morning hours of December 24 Kenyan authorities showed their ugly face: Two cops arrested B. and a local journalist, working for Italian RAI station, locked them up for some hours and are going to take them to court on January 8. The allegation: preparation of a fellony and incitement – against a journalist and a photographer, who painted a Graffiti on a wall, that is encouraging their fellow citizens to vote and to do it wisely. Merry Christmas.

Kenias politische Evolution

In der Nacht auf den Heiligabend war ich mit B. und seinen Freunden malen, wie ein guter Freund in Hamburg das nennt. Sie hatten Schablonen, also Stencils, dabei und wollten an fünf Wänden in Nairobi ihre Botschaft loswerden: Kenias nächster evolutionärer Schritt hängt von den kommenden Wahlen ab. Die Kenianer sollen für eine „Revolution an der Urne“ sorgen – und einen Präsidenten wählen, der den aufrechten Gang praktiziert, anders als die korrupten, teils diktatorisch regierenden Vorgänger Kenyatta, Moi und Kibaki.

Die Crew bestand aus den gleichen Jungs, die auch die Wand am City Market mit ihren Bildern gegen die Geier in Kenias Politik geschmückt haben. Damals hatte die Ordnungskräfte keine Schimmer, was sie da eigentlich machten, mit Laptops und Projektoren. In den Morgenstunden des 24.12. allerdings zeigte sich Kenia von seiner hässlichen Seite: Zwei Polizisten verhafteten B. und einen italienischen Journalistenkollegen der RAI, sperrten sie die Nacht über weg und am 8.1. müssen sie sich wegen der Vorbereitung einer Straftat und wegen Aufwiegelung vor Gericht verantworten – ein Journalist und ein Fotograf, die ein Graffiti an eine Wand gesprüht haben, die ihre Mitbürger mittels öffentlicher Kunst zur Besonnenheit aufrufen. Fröhliche Weihnachten.

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Krieg

26. November 2012

Es ist schon ein Elend mit dem Journalismus und dem afrikanischen Kontinent. Da kann man sich noch so sehr vornehmen, über die schönen Sachen zu schreiben, zuallererst ensteht dann doch die alte, traurige, schlimme Geschichte über den hoffnungslosen und völlig zerrütteten Ostkongo.

Andererseits: Die Leute müssen das wissen, denn nur so lässt sich vielleicht was ändern, irgendwann. Es muss geschrieben werden, dass Ruandas Präsident Paul Kagame nicht nur der saubere, tolle Präsident ist, als der er sich so hervorragend verkauft, und als den ihn seine westlichen Verbündeten so gerne sehen wollen. Sein Land ist pickobello, jeder Ausländer, den das afrikansiche Chaos auf den Straßen, in der Verwaltung und so weiter stresst, wird in Ruandas Hauptstadt Kigali befreit aufatmen. Kagames Land ist sauber, pünktlich und effizient. Aber? Aber!

Kagames Militär unterstützt den Krieg im Osten des Nachbarlandes DR Kongo nach Kräften, was ein UN-Report belegt. Darin zu sehen: Fotos von Munition, Uniformen und Gewehren, die nicht von der kongolesischen Armee stammen, sondern nachweislich und belegt durch zahlreiche Zeugenaussagen, von der ruandischen Armee. Die M23-Rebellen sind aber aus der kongolesischen Armee hervorgegangen und behaupten, sie hätten nur die erbeuteten Waffen zur Verfügung, die die kongolesische Armee in den Kasernen liegen gelassen hat.

Der UN-Bericht ist fast 50 Seiten lang und sehr detailiert und beweist das Gegenteil. Der Krieg im Kongo, das Elend, die Vertreibungen – das ist auch Kagames Werk, ohne die Hilfe aus dem sauberen Ruanda wäre Goma nicht gefallen.

Darum hier mal, leider nicht von der Grenze selbst oder aus Goma, sondern aus der ruandischen Hauptstadt Kigali geschrieben und von dort aus recherchiert, meine Geschichte über die M23-Rebellen, die sich selbst (und die auch einige Journalisten offenbar) als Befreier des Ostkongo sehen. Wie mir Kollegen aus Goma berichten, ist es dort jetzt ruhig und friedlich, seit die Rebellen die Stadt kontrollieren. Aber klar ist auch: M23 ist auf PR-Tour, gegenüber den Krisenreportern in der Stadt geben sie sich als Saubermänner, Menschen- und Ordnungsfreunde. Aber Zweifel sind wohl angebracht:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/kongo-krise-vormarsch-von-makengas-moerdertruppe-a-869079.html

Absurd außerdem: Ab 1. Januar sitzt Ruanda mit am Tisch im UN-Sicherheitsrat, gewählt haben das Land mehr als zwei Drittel der Uno-Generalversammlung, also aller Mitgliedstaaten. Zur Erklärung: Der Sicherheitsrat (15 Mitglieder) entscheidet über Sanktionen, die Entsendung von Blauhelmtruppen und ordnet Untersuchungen an. Er ist das mächtigste Organ der Staatengemeinschaft, hat man einen Sitz (so wie Deutschland zur Zeit) behält man den für zwei Jahre – es sei denn man ist die USA, Russland, Frankreich, China oder GB. Die sind immer drin, sogenannten permanent member states. Ruanda hat dann natürlich kein Veto und wenn alle sich einig sind, kann ein einzelner nicht-permanent-member-Staat wenig ausrichten. Trotzdem deprimierend? Yes, indeed. Darum jetzt, endlich, zu was schönerem.

Ruanda

23. November 2012

Straßenlaternen überall: Verglichen mit dem finsteren, schmuddeligen Nairobi, wirkt Kigali in Ruanda 2012 wie eine südeuropäische Großstadt

Straßenlaternen überall: Verglichen mit dem finsteren, schmuddeligen Nairobi, wirkt Kigali in Ruanda 2012 wie eine südeuropäische Großstadt


Bin am Donnerstag spontan nach Ruanda geflogen, genauer: von Nairobi nach Kigali. Der Flug war großartig. Direkt von Nairobi aus ging’s Richtung Westen, glücklicherweise mit so viel Verspätung, dass wir kurz vor Sonnenuntergang über das Riftvalley geflogen sind. Die Sonne stand tief und die Schatten der parallelen Hügelketten waren irre schön anzusehen.

Die von Norden nach Süden laufenden viele Kilometer langen Falten und Spalten des großen afrikanischen Grabenbruchs sehen von oben wie ein riesiges verknittertes Tischtuch aus. Der mindestens 100 Kilometer breite Graben zwischen Nairobi und Viktoriasee ist mit struppigem Sträuchern bewachsen und meist felsig oder sandig braun. Dann flogen wir, weiter der untegehenden Sonne hinterher, über den Viktoriasee, an dessen westlichem Ufer noch ein Streifen Tansania liegt. Dahinter beginnt Ruanda.

Die Landschaft ist aus der Luft ebenfalls schwer beeindruckend. Durch den Kagera-Nationalpark fließt der gleichnamige Fluss, in dem praktisch aller Regen, der über Ruanda niedergeht, zusammenläuft. Nah am Fluss ist die Landschaft satt grün, es reiht sich See an See. Dazwischen mäanderte der Kagera-Nil, wegen der starken Regenfälle der vergangenen Tage ist sein Wasser rostrot, wegen der Erde, die er mit sich führt. An einer Stelle, an denen der Kagera in einen Seen hinein und ein Stück weiter gleich wieder raus fließt, ist der ganze See rotbraun. Direkt daneben liegt ein See, dessen Wasser aus der Luft fast schwarz aussieht.

Mein eigentliches Ziel der Reise war allerdings nicht, mir Wasser von oben anzusehen. Ich hatte vor, von Kigali aus Richtung kongolesischer Grenze zu fahren, aber das ist leider momentan nicht möglich, weil zu gefährlich.

An der Grenze zu DR Kongo, in Gisenyi, sitzen derzeit nach Angaben der ARD vor Ort ca 11.000 Familien (konservativ gerechnet 45.000 Menschen), die aus der Anfang der Woche von den M23-Rebellen eroberten Stadt Goma geflohen sind. Es gibt Agenturberichte über Erschießungen und Vergewaltigungen durch die M23-Rebellen. Außerdem sollen die Uno-Soldaten tatenlos zugesehen haben, während die Rebellen Goma einnahmen. Die Uno-Kommandanten hatten sich darauf verlassen, dass die M23 Wort hält und nicht nach Goma einmarschiert. Aber die Milizen haben sich spontan umentschieden.

Ich mache mich jetzt auf in die Innenstadt von Kigali. Vom Hotel aus sieht die hügelige Stadt beinahe italienisch aus, ein bisschen nach Emilia Romagna. Ich schaue bei der NGO Safe the children vorbei, vielleicht lässt sich ja aus der Ferne was sinnvolles schreiben.

Mavulture – Zu viele Geier

20. November 2012

Mavulture-Graffiti in Nairobi: Sprühen gegen Korruption

Vor einigen Wochen haben Graffitikünstler eine Wand nahe des City Market in der Innenstadt Nairobis verschönert. Ihr Wandgemälde zeigt, was nach Ansicht vieler junger Städter in der kenianische Politik falsch läuft.

Ein Geier im Anzug, der sich als Stammesführer ausgibt, sitzt auf einem Thron und freut sich über die Ingoranz seiner willfährigen Gefolgschaft. Die Künstler prangern die herrschende Klasse der Politiker an, die den Reichtum Kenias unter sich aufgeteilt haben. Der Zorn richtet sich gegen Abgeordnete, die obszön hohe Diäten einstreichen und die immer wieder die Klientel- und Stammespolitik der Sachpolitik vorziehen, um die Armen für sich zu instrumentalisieren. Verändern wollen sie nichts, denn anders als Millionen Slumbewohner in Nairobi, Mombassa, Eldoret und Kisumu und anders als die Kenianer an der Küste und in den unterentwickelten Regionen im Norden und Nordosten leben die Geier prächtig im und vom status quo.

Gehört hatte ich von dem Graffiti schon, gesehen habe ich es gestern bei einer kleinen Ausfahrt ins Zentrum. Heute treffe ich Boniface, Gründer von Pawa254 (254 ist der contrycode für Kenia, Pawa steht für Power). Boniface ist einer der Initiatoren der Kampagne mavulture.com. Mavulture ist ein Sheng-Wort, ein jungendsprachlicher Mix aus Kisawahili und Englisch, und bedeutet: zu viele Geier. Auf der Webseite prangern Boniface und seine Mitstreiter einige der korruptesten Politiker Kenias an.

Kenia sucht den Super-Chor

19. November 2012

KBC Ultimate Choir Show, Nakuru, 16.11.2012: Schaumkrone der Woge der Begeisterung

Seit Samstagabend wohne ich in Narobis Westen, genauer im Stadtteil Kilimani, in der Ole Odume Road in einem recht gewöhnlichen Appartmentkomplex mit dem stolzen Namen Elite Park. Gleich gegenüber der Bangladesh High Commission (so heißen hier alle Botschaften der Commonwealthländer).

Der Pool ist hier weniger schick als in der deutschen Schule, aber die Miete ist günstiger und ich genieße die Freiheit, eine Küche benutzen zu dürfen. Sollte ich auch noch einen Schreibtisch dazubekommen, ist mein Glück perfekt. Naja, fast.

Am Freitag hat Kate mich überredet, mit ihr nach Nakuru zu fahren, das liegt im Rift Valley etwa 200 Kilometer nordwestlich von Nairobi. Dort wurde gegeben: Kenia sucht den Superchor. „Ultimate Choir“ heißt der Wettbewerb, mit dem der altbackene Staatssender KBC die Tradition der Gopselchöre feiert und wiederbeleben will. Die zweite Staffel suchte den besten Chor in der Region Nakuru.

Das kleine Theater von Nakuru war der Schauplatz, es sah eine bisschen aus wie eine deutsche Dorfbühne, Gartenstühle aus Plastik waren die Sitzreihen und die Bühne war mit bunten Lichterketten verziert. Es sangen drei Chöre, die die Vorrunden überstanden hatten.

Wie die meisten Veranstaltung mit festem Ablaufplan hier, ging der Contest ungefähr eine Stunden nach der geplanten Anfangszeit los. Hinzu kam ein einstündiger Stromausfall, der mal wieder eine Gelegenheit bot, auf Kenya Power schimpfen zu können. Als die Frauen und Männer vom Chor Shepherds Voice gerade Bwana (Herr, also Gott) und seinen Sohn mit dem Lied Utam wa Yesu der tansanischen Sängerin Rose Muhando priesen (hier nachzuhören, Aufnahme des zweiten Anlaufs), gingen plötzlich alle Lichter aus.

HIER das Video zum Originalsong von Rose Muhando – sehr holy, aber schmissig. Und fragt nicht, warum man da am Anfang Explosionen sieht…

Die Türen waren zu, Fenster gab’s keine also war es plötzlich stockfinster. Ein groß Uwaaaahh! und dann strömten alle nach draußen auf die Wiese. In der deutschen Schule, in deren Internat ich ja die ersten vier Wochen gewohnt habe, springt immer binnen Sekunden ein Dieselagregat im Garten an. Am Freitag in Nakuru aber, als gerade der große staatliche Sender KBC das grand finale seiner Sonntagabendshow aufzeichnete, hatte keiner an einen Generator gedacht. Master of Ceremony war Nick, ein Freund meiner Kollegin Kate. Er telefonierte mit eine Vertreter von Kenya Power und erzählte danach, statt einer Entschuldigung oder ein Info, wie lange der Blackout dauert bekam er nur folgenden Tipp: Zeichnet eure Show am besten morgen auf.

Wie gesagt, es ging dann weiter, alles in allem dauerte der Ausflug drei Stunden länger als geplant. Der Gewinnerchor (kleines Soundbeispiel hier: „Conquerers are we“) nahm eine Millionen Shilling mit nach Hause, ca. 9000 Euro, und weil im Chor singen ein gar christlich Ding ist, wird damit zu allererst die Kirche verschönert. Der „Bischof“ der Gemeinde St Niklas, aus der die Gewinner stammen, war auch dabei und freute sich mit seinen Brüdern und Schwestern, als hätte er irgendwas zum Sieg beigetragen. Und das Event hat mich in Fernsehen gebracht, Nick sagt, Kate und ich hätten die Kameraleute bestochen, damit sie uns möglichst oft zeigen. Ich vermute eher, es lag daran, dass ich der Exot im Publikum war. Seht selbst.

Die Jury grübelt, der Exot im Publikum schaut kritisch – neben mir übrigens Kollegin Kate, die gute

Der Dirigent des siegreichen Chor hatte auf der Bühne noch großspurig getönt, er werde mit seinem Team den Pott holen. Als ihm Bwana gnädig war und es tatsächlich zum Titel „Bester Chor von Nakuru und Umgebung“ langte, war der gute Mann (Foto) fix und fertig und brach neben dem 1.000.000 Shilling-Scheck beinahe zusammen.

Bwana ist groß: Er glaubt ganz bestimmt, dass Veränderung mit Singen im Chor beginnt

Der Sonntag begann mit Stromausfall und mein neues Zuhause hat keinen Generator. Also setzte ich das Teewasser in einem Topf auf dem Gasherd auf. Aber ich habe eine Küche, die nicht um 18.3o Uhr abgesperrt wird, wie das im Boarding House der deutschen Schule immer der Fall ist. Und wenn es hier im Elite Park Strom gibt, ist das Internet hier deutlich stabiler als in der deutschen Schule. Und meine beiden Mitbewohnerinnen Sharon (Kenianerin) und Eyrun (in Island geborene Schwedin) scheinen nett zu sein.

Ach ja, und ich fahre jetzt Motorrad (Naja, eher ein Moped, Yamaha, 100 ccm). Ezekiel hat es mir geliehen, vermittelt hat das ganze ein Freund von Ezekiel, der in einem Yamaha-Laden arbeitet. Klingt komplizierter als es war. Ich zahle Ezekiel 800 Shilling Miete am Tag (7,20 Euro) und als ich ihm heute die zweite Rate für die nächsten fünf Tage vorbei brachte, war er fast peinlich berührt. Jetzt, da wir Freunde sind, soll ich doch auch reinkommen, sagte er und stellt mir Frau und Töchter vor. Und ich soll wiederkommen und gern länger bleiben, zum Beispiel an Weihnachten.

Motorradfahren ist gefährlich, sagen manche hier. Leider hat der heutige Bombenanschlag auf einen Bus in Eastleigh aber gezeigt: Auch Matatufahren kann gefährlich sein. Vermutlich ein Attentäter von Al Shabab schleuderte am Sonntagnachmittag eine Bombe in einen Bus der Linie 26. Fünf Tote sind bislang bestätigt, mindestens zwei Dutzend Menschen sind verletzt. Ein junger Mann, angeblich Somali, soll kurz vor der Explosion aus dem Bus gesprungen sein. Der Mob hätte ihn danach fast gelyncht, denn wer soll schon der Täter sein, als der somalische Junge? Das Video hier, auf der Seite der „Daily Nation“, zeigt sein Foto. In Eastleigh leben viele Somalis. Unmittelbar nach dem Anschlag kam es zu Schlägereien auf der Straße. Ich habe davon freilich gar nichts mitbekommen, wir waren schön beim Brasilianer essen und ich hab es vorhin im Fernsehen gesene. Einige Geschäfte wurden wohl geplündert. Jetzt bleibt zu hoffen, dass die Nacht ruhig verläuft und weder die Polizei noch aufgebrachte Bewohner von Eastleigh weiteres Unheil anrichten.

Trotz dieser schlimmen Nachricht zum Schluss: Macht euch bitte keine Sorgen. Mir geht’s prima hier, ich passe gut auf mich auf.

Matatu: Je nach Tag, Uhrzeit und Laune des Schaffners kostet die Fahrt zum „Village Market“ 18 bis 54 Cent

Heute habe ich versucht, ein kleines  Radio zu kaufen. Bei Royal King, einem verschachtelten Elektrokaufhaus, gab es das Neuste vom Neusten: Ein kleines, rotes Kästchen mit mp3-Player, Radio und Wecker, mit USB-Anschluss und Cardreader für MiniSD. Leider aber: betrieben mit einem Nokia-Akku und außerdem war das windige Plastikding nicht nur in China hergestellt, sondern auch nur für Chinesischkönner beschriftet. Handys verkaufen dort alle Läden, Laptops und Headsets auch, alles, was in den vergangen fünf Jahren neu war, gibt es dort. Aber ein simples Batterien-betriebenes Radio war nicht einmal im Royal King aufzutreiben, obwohl mich drei Händler auf der Luthuli Ave unabhängig voneinander dort hingeschickt haben.

Die Luthuli Ave befindet sich im östlichen Teil der Innenstadt zehn Gehminuten vom großen Kreisverkehr „Old Nation“ (Limuru Rd./Slip Rd/River Rd.) Den erreicht man von der Deutschen Schule aus mit dem Matatu (siehe Foto), einem Kleinbus für 13 Fahrgäste, eine Matatu-Schaffner und einem Fahrer. Einfach downtown, wohin man genau will, ist egal. Alle fahren zu einem zentralen Plätzen im Zentrum. Der „Old Nation“ Kreisverkehr ist so chaotisch wie der Taxpark von Kampala und funktioniert auch so. Dutzende ineinander verkeilt scheinende Minibusse, die losfahren, wenn sie voll sind und die auf der Tür eine kleine Nummer haben. Nummer 106 sollte ich nehmen, hatten mir die freundlichen Jungs neben den 106er-Bussen an der Ausfahrt (Westseite des Platzes) gesagt – und von dort bin ich dann nachmittags auch wieder zurück gefahren, 15 Minuten bis Village Market. Das ist ein Einkaufszentrum gleich bei der Schule und auch der Name der Haltestelle, eine nach UN Avenue übrigens. Den Namen hat der Stop vom UN-Viertel, in dem sich neben der US-Botschaft (ummauert und beleuchtet wie Stadelheim und Santa Fu), die Botschaften Norwegens, Polens und Österreichs, außerdem UNICEF, UNEP und ein Wasserwerk befinden.

Auch wenn ich kein Radio kaufen konnte, ich habe meine erste kleine afrikanische Straßenschlacht erlebt. Die „Hokas“ (ich dachte erst, es geht um Prostitution) wurden von der Polizei verjagt. Hokas sind Straßenhändler, die von ihren ausgebreiteten Decken aus allerhand verkaufen und das nicht dürfen, erklärte mir ein Mann neben mir. Die Polizei feuerte Tränengas die Kilome Rd runter, die Attackierten warfen jede Menge Steine. Wer angefangen hat, wie es ausging, war nicht auszumachen, ich tippe aber auf die Polizei. Ich machte es den Fahrgästen und den Matatu-Fahrern nach und zog mich mit ihnen ein Stück zwischen die Kleinbusse auf dem Kreisverkehr zurück – und musste dann ohnehin in die andere Richtung. Liest sich so hingeschrieben jetzt wilder, als es war. Bin ja gestählt vom einen oder anderen Schanzenfest.

Afrika!

16. Oktober 2012

Die Erde rot, Giraffen hinterm Flughafenzaun und dieser unbeschreibliche Duft – ich bin in Nairobi gelandet und Taxifahrer Frederic hat mich gleich mit Namesschild empfangen. Für mehr als Wasser kaufen war am Abend keine Zeit mehr, daher ist das einzige Bild bislang auch das obige Selbstbildnis aus dem Fernsehzimmer des Boarding House der deutschen Schule. Das Foto soll nur sagen: Ich bin hier, es geht gut und ich bin so müde wie ich aussehe und gehe bald ins Bett. Das Boarding House ist übrigens gar kein wirkliches Internat, sondern eher ein Hostel für Freiwillige und Praktikanten (UNEP, UN Habitat, UNHCR, UN Hastenichgesehn) aus D, NL, UK, AT, etc. die mit ihrer recht happigen Miete für die Mehrbettzimmer die Schule mitfinanzieren. Aber das ist ja auch eine Art freiwlliger Hilfsdienst, wenn auch für die deutsche Community in Kenias Hauptstadt. Morgen folgendes: Saft trinken, Stadtplan kaufen und bei den potentiellen Arbeitgebern vorbeischauen. Und jetzt erstmal: ab ins Stockbett.

..einfach mal aus dem Fenster schauen.

Nach einer durchmachten Nacht mit Besuch aus München (Finale wie immer in der Haifischbar und am Ende auf dem Fischmarkt unter einem Vanilla Sky) hier kaum Worte sondern nur mal der Hanseplatte-Newsletter, der zeigt, womit es sich hier im Norden zu arrangieren gilt.

+++ZITAT ANFANG+++

Ein herzliches „Moinsen“ aus Hamburg.

Der Stadt im Norden mit den schweigsamen Ziegelhäusern und passenden Menschen, die, damit es nicht hineinregnet oder -stürmt, ihren Mund nicht weiter als nötig öffnen wollen.

So fassen auch wir uns kurz – obwohl es mehr zu berichten gibt als sonst. Oder grade weil?

Genug nachgedacht, lieber hier hergelesen:

Es gibt eine neue PHANTOM/GHOST.
Es gibt eine neue JAN DELAY.
Eine neue KETTCAR.
Dazu TONTRÄGER EINS, ALAN METZGER (Fidel Bastro), DIE SCHMUTZIGE
SCHÖNHEIT DER NATUR.
Sogar PUDEL PRODUKTE 10 & 11!
Und JACQUES PALMINGER, KOSMO KOSLOWSKI & KAPELLE HERRENWEIDE.
Eine neue DEICHKIND!

Alles hier bitte: http://shop.hanseplatte.com/neuheiten/

Bitte bestellen sie zahlreich, unsere Kinder wollen auch was essen haben, wenn sie sonst schon den ganzen Tag schweigen.

Genug der Worte. Und nun ist Stille.

Herrliche hanseatische Stille.

Stets der seine:

Ihr Hans E. Platte

+++ZITAT ENDE+++

Klappt mittlerweile.

Danke, ihr Vettern

6. Juli 2008

Cousins und Cousinen (alt und deutsch auch Vettern und Basen genannt) kann man gar nicht genug haben. Einer von ihnen ist mein Vetter Filo, derzeit Vikar auf dem platten Land östlich von Schleswig. Ein weiterer ist Uli, eingentlich nur ein indirekter Vetter, nämliche ein Vetter meines Vetters Filo, also auf der beiden Jungs mütterlichen Seite, mit der ich wiederum nicht verwand bin, aber mei. Uli und ich tranken allerdings am gestrigen Abend Vetternschaft und nenne uns fortan Cousins. Das taten wir hier, hier und hier. Den Rattenschwanz an komplizierter Verwandtschaftung will man ja niemandem erklären müssen.

Wichtigster Vetter dieses Tages allerdings ist die wunderschöne und wunderkluge und wunderalte Webseite www.freewilliamsburg.com. Sie ist der Namensvetter dieser Seite und bei mir so geschätzt, dass schon als klar war, dass ich nach Hamburg gehe, klar war, dass es eine Seite mit Namen „Freies Wilhelmsburg“ geben wird. Und hier ist sie. Tusch.

Freies Wilhelmsburg, im Bild die Neue Elbbrücke

Fälschung und seit heute hier: Freies Wilhelmsburg, im Bild die Neue Elbbrücke

feine Seite für Politisches und Kulturelles made in USA

Vorbild: feine Seite für Politisches und Kulturelles made in USA

Außerdem soll hier endlich die Wahrheit (meine Wahrheit) über die Namesgebung des seit bald zwei Jahrzehnten minütlich angesagter werdenden New Yorker Stadtteil Williamsburg im Netz erscheinen. Sie ist nämlich weit stichhaltiger als die, die das englischsprachige Wikipedia mir anbietet. Dort wird nicht versäumt, auf die deutschen Einwanderer (!) und den Schiffsbau (!) im damals „Williamsburgh“ genannten, östlich von Manhattan auf der anderen Flussseite (!) gelegenen Städtchen hinzuweisen. Der Ort, so das Halbwissensportal, sei aber zu Ehren irgendeines Herrn Williams so benannt worden und das ist wie immer die einfachste Lösung wenn einem sonst nix einfällt und meist stimmt diese „das heißt wegen Herr oder Frau soundso so“-Vermutung einfach nicht. Die Quelle soll für diese Information übrigens diese Seite hier sein. Aha.

Der Name von Williamsburg, Brooklyn, N.Y. ist natürlich einzig und allein auf den heute zum Beispiel von Arschgeigen wegen des hohen Ausländeranteils nicht geschätzten Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg zurückzuführen, der nämlich am Hafen, in Werftnähe (!), an der Elbe und auf der andere Seite des Flusses (!) liegt. Ruhen Sie in Frieden, Herr Williams. Das tollste und teuerste Pflaster von New York geht auf deutschen Schiffsbauer aus der Hansestadt zurück und heißt auch deshalb so. Warum die Selbstbespiegelungsmeile Schulterblatt in Hamburg so heißt wie sie heißt und warum sich diese Gegend anschickt so teuer und so vollgestopft mit Hipstern zu werden wie das New Yorker Wilhelmsburg, weiß ich beim besten Willen nicht.  Was sich dort für Leute rumtreiben schon. Allerdings sind die Coolen in Hamburg weit davon entfernt, bei diesem Wettkampf hier etwas zu reißen. Wie heißt es in Amerika so schön? Hattip to freewillamsburg.com.