Ruanda

23. November 2012

Straßenlaternen überall: Verglichen mit dem finsteren, schmuddeligen Nairobi, wirkt Kigali in Ruanda 2012 wie eine südeuropäische Großstadt

Straßenlaternen überall: Verglichen mit dem finsteren, schmuddeligen Nairobi, wirkt Kigali in Ruanda 2012 wie eine südeuropäische Großstadt


Bin am Donnerstag spontan nach Ruanda geflogen, genauer: von Nairobi nach Kigali. Der Flug war großartig. Direkt von Nairobi aus ging’s Richtung Westen, glücklicherweise mit so viel Verspätung, dass wir kurz vor Sonnenuntergang über das Riftvalley geflogen sind. Die Sonne stand tief und die Schatten der parallelen Hügelketten waren irre schön anzusehen.

Die von Norden nach Süden laufenden viele Kilometer langen Falten und Spalten des großen afrikanischen Grabenbruchs sehen von oben wie ein riesiges verknittertes Tischtuch aus. Der mindestens 100 Kilometer breite Graben zwischen Nairobi und Viktoriasee ist mit struppigem Sträuchern bewachsen und meist felsig oder sandig braun. Dann flogen wir, weiter der untegehenden Sonne hinterher, über den Viktoriasee, an dessen westlichem Ufer noch ein Streifen Tansania liegt. Dahinter beginnt Ruanda.

Die Landschaft ist aus der Luft ebenfalls schwer beeindruckend. Durch den Kagera-Nationalpark fließt der gleichnamige Fluss, in dem praktisch aller Regen, der über Ruanda niedergeht, zusammenläuft. Nah am Fluss ist die Landschaft satt grün, es reiht sich See an See. Dazwischen mäanderte der Kagera-Nil, wegen der starken Regenfälle der vergangenen Tage ist sein Wasser rostrot, wegen der Erde, die er mit sich führt. An einer Stelle, an denen der Kagera in einen Seen hinein und ein Stück weiter gleich wieder raus fließt, ist der ganze See rotbraun. Direkt daneben liegt ein See, dessen Wasser aus der Luft fast schwarz aussieht.

Mein eigentliches Ziel der Reise war allerdings nicht, mir Wasser von oben anzusehen. Ich hatte vor, von Kigali aus Richtung kongolesischer Grenze zu fahren, aber das ist leider momentan nicht möglich, weil zu gefährlich.

An der Grenze zu DR Kongo, in Gisenyi, sitzen derzeit nach Angaben der ARD vor Ort ca 11.000 Familien (konservativ gerechnet 45.000 Menschen), die aus der Anfang der Woche von den M23-Rebellen eroberten Stadt Goma geflohen sind. Es gibt Agenturberichte über Erschießungen und Vergewaltigungen durch die M23-Rebellen. Außerdem sollen die Uno-Soldaten tatenlos zugesehen haben, während die Rebellen Goma einnahmen. Die Uno-Kommandanten hatten sich darauf verlassen, dass die M23 Wort hält und nicht nach Goma einmarschiert. Aber die Milizen haben sich spontan umentschieden.

Ich mache mich jetzt auf in die Innenstadt von Kigali. Vom Hotel aus sieht die hügelige Stadt beinahe italienisch aus, ein bisschen nach Emilia Romagna. Ich schaue bei der NGO Safe the children vorbei, vielleicht lässt sich ja aus der Ferne was sinnvolles schreiben.

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Mavulture – Zu viele Geier

20. November 2012

Mavulture-Graffiti in Nairobi: Sprühen gegen Korruption

Vor einigen Wochen haben Graffitikünstler eine Wand nahe des City Market in der Innenstadt Nairobis verschönert. Ihr Wandgemälde zeigt, was nach Ansicht vieler junger Städter in der kenianische Politik falsch läuft.

Ein Geier im Anzug, der sich als Stammesführer ausgibt, sitzt auf einem Thron und freut sich über die Ingoranz seiner willfährigen Gefolgschaft. Die Künstler prangern die herrschende Klasse der Politiker an, die den Reichtum Kenias unter sich aufgeteilt haben. Der Zorn richtet sich gegen Abgeordnete, die obszön hohe Diäten einstreichen und die immer wieder die Klientel- und Stammespolitik der Sachpolitik vorziehen, um die Armen für sich zu instrumentalisieren. Verändern wollen sie nichts, denn anders als Millionen Slumbewohner in Nairobi, Mombassa, Eldoret und Kisumu und anders als die Kenianer an der Küste und in den unterentwickelten Regionen im Norden und Nordosten leben die Geier prächtig im und vom status quo.

Gehört hatte ich von dem Graffiti schon, gesehen habe ich es gestern bei einer kleinen Ausfahrt ins Zentrum. Heute treffe ich Boniface, Gründer von Pawa254 (254 ist der contrycode für Kenia, Pawa steht für Power). Boniface ist einer der Initiatoren der Kampagne mavulture.com. Mavulture ist ein Sheng-Wort, ein jungendsprachlicher Mix aus Kisawahili und Englisch, und bedeutet: zu viele Geier. Auf der Webseite prangern Boniface und seine Mitstreiter einige der korruptesten Politiker Kenias an.

Matatu: Je nach Tag, Uhrzeit und Laune des Schaffners kostet die Fahrt zum „Village Market“ 18 bis 54 Cent

Heute habe ich versucht, ein kleines  Radio zu kaufen. Bei Royal King, einem verschachtelten Elektrokaufhaus, gab es das Neuste vom Neusten: Ein kleines, rotes Kästchen mit mp3-Player, Radio und Wecker, mit USB-Anschluss und Cardreader für MiniSD. Leider aber: betrieben mit einem Nokia-Akku und außerdem war das windige Plastikding nicht nur in China hergestellt, sondern auch nur für Chinesischkönner beschriftet. Handys verkaufen dort alle Läden, Laptops und Headsets auch, alles, was in den vergangen fünf Jahren neu war, gibt es dort. Aber ein simples Batterien-betriebenes Radio war nicht einmal im Royal King aufzutreiben, obwohl mich drei Händler auf der Luthuli Ave unabhängig voneinander dort hingeschickt haben.

Die Luthuli Ave befindet sich im östlichen Teil der Innenstadt zehn Gehminuten vom großen Kreisverkehr „Old Nation“ (Limuru Rd./Slip Rd/River Rd.) Den erreicht man von der Deutschen Schule aus mit dem Matatu (siehe Foto), einem Kleinbus für 13 Fahrgäste, eine Matatu-Schaffner und einem Fahrer. Einfach downtown, wohin man genau will, ist egal. Alle fahren zu einem zentralen Plätzen im Zentrum. Der „Old Nation“ Kreisverkehr ist so chaotisch wie der Taxpark von Kampala und funktioniert auch so. Dutzende ineinander verkeilt scheinende Minibusse, die losfahren, wenn sie voll sind und die auf der Tür eine kleine Nummer haben. Nummer 106 sollte ich nehmen, hatten mir die freundlichen Jungs neben den 106er-Bussen an der Ausfahrt (Westseite des Platzes) gesagt – und von dort bin ich dann nachmittags auch wieder zurück gefahren, 15 Minuten bis Village Market. Das ist ein Einkaufszentrum gleich bei der Schule und auch der Name der Haltestelle, eine nach UN Avenue übrigens. Den Namen hat der Stop vom UN-Viertel, in dem sich neben der US-Botschaft (ummauert und beleuchtet wie Stadelheim und Santa Fu), die Botschaften Norwegens, Polens und Österreichs, außerdem UNICEF, UNEP und ein Wasserwerk befinden.

Auch wenn ich kein Radio kaufen konnte, ich habe meine erste kleine afrikanische Straßenschlacht erlebt. Die „Hokas“ (ich dachte erst, es geht um Prostitution) wurden von der Polizei verjagt. Hokas sind Straßenhändler, die von ihren ausgebreiteten Decken aus allerhand verkaufen und das nicht dürfen, erklärte mir ein Mann neben mir. Die Polizei feuerte Tränengas die Kilome Rd runter, die Attackierten warfen jede Menge Steine. Wer angefangen hat, wie es ausging, war nicht auszumachen, ich tippe aber auf die Polizei. Ich machte es den Fahrgästen und den Matatu-Fahrern nach und zog mich mit ihnen ein Stück zwischen die Kleinbusse auf dem Kreisverkehr zurück – und musste dann ohnehin in die andere Richtung. Liest sich so hingeschrieben jetzt wilder, als es war. Bin ja gestählt vom einen oder anderen Schanzenfest.

Afrika!

16. Oktober 2012

Die Erde rot, Giraffen hinterm Flughafenzaun und dieser unbeschreibliche Duft – ich bin in Nairobi gelandet und Taxifahrer Frederic hat mich gleich mit Namesschild empfangen. Für mehr als Wasser kaufen war am Abend keine Zeit mehr, daher ist das einzige Bild bislang auch das obige Selbstbildnis aus dem Fernsehzimmer des Boarding House der deutschen Schule. Das Foto soll nur sagen: Ich bin hier, es geht gut und ich bin so müde wie ich aussehe und gehe bald ins Bett. Das Boarding House ist übrigens gar kein wirkliches Internat, sondern eher ein Hostel für Freiwillige und Praktikanten (UNEP, UN Habitat, UNHCR, UN Hastenichgesehn) aus D, NL, UK, AT, etc. die mit ihrer recht happigen Miete für die Mehrbettzimmer die Schule mitfinanzieren. Aber das ist ja auch eine Art freiwlliger Hilfsdienst, wenn auch für die deutsche Community in Kenias Hauptstadt. Morgen folgendes: Saft trinken, Stadtplan kaufen und bei den potentiellen Arbeitgebern vorbeischauen. Und jetzt erstmal: ab ins Stockbett.